Ladies Last: Die schlimmste Charity-Gala der Welt

Am 4. Mai 1897 versammelt sich die Crème von Paris in einer reichgeschmückten Holzbaracke unweit der Champs-Elysées. Wie jedes Jahr veranstaltet sie ihren Wohltätigkeitsbasar, auf dem hochadelige Frauen in kleinen Buden Kunstgegenstände verkaufen. Der Erlös kommt den Armen zugute. Es ist eng und Notausgänge gibt es keine, aber die Männer dürfen nicht rauchen und damit ist nach den Standards der Zeit dem Brandschutz genüge getan. Zudem hat der päpstliche Nuntius den Bau gesegnet. Was soll da schiefgehen?

Als besonderer Höhepunkt steht an diesem Nachmittag eine Vorführung einer revolutionären Erfindung auf dem Programm: dem Kino. Rund 1700 Menschen drängen sich im Saal. Weil der Filmvorführer, der den Projektor in Gang setzen soll, im schummrigen Licht nicht sehen kann, entzündet sein Assistent ein Streichholz – und löst damit ein Inferno aus (der verwendete Film ist hochbrennbar). Der Basar steht sofort in Flammen, das mit Teer abgedichtete Dach schmilzt; brennende Tropfen regnen herab. Panik bricht aus.

Im Kampf ums Überleben schlagen viele Männer sich mit ihren Gehstöcken eine Schneise durch die Menge. „Feigheit der Pariser Männer in brutaler Weise zur Schau gestellt“ wird die New York Times nach der Katastrophe titeln. Zehn Minuten nach der ersten Explosion ist vom Basar nur noch ein rauchender Trümmerhaufen übrig. Unter den Opfern ist auch Sophie, die jüngere Schwester der österreichischen Kaiserin Sissi. Die Herzogin von Alençon, so ihr offizieller Titel, wird nur anhand ihres Gebisses identifiziert (eine historische Premiere). Ihr Mann entkommt. Ob mit oder ohne Gehstock ist nicht bekannt.

Quelle: http://www.nytimes.com/2008/04/28/arts/28iht-blume.1.12390921.html