In guter Verfassung: das 27th Amendment

Dass die Mühlen der Demokratie langsam mahlen, ist eine Binsenwahrheit, für die unsere Gegenwart gerade wieder einen Beweis liefert. Aber wer sich über die zähe Regierungsbildung in Berlin aufregt, sollte wissen: Es geht auch noch umständlicher. So verstrichen zwischen der Formulierung des 27. Zusatzartikels der US-Verfassung und seinem Inkrafttreten mehr als 202 Jahre. Ratifiziert wurde das 27th amendment übrigens nur, weil ein Student in den 1980ern eine schlechte Note bekam.

Diese verrückte Geschichte beginnt 1789: Damals verabschiedete der Kongress mehrere Ergänzungen zur Verfassung. Zehn dieser Zusatzartikel, „Bill of Rights“ genannt, wurden danach zügig von den Einzelstaaten abgenickt. Sie garantieren bis heute unter anderem die Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit in den USA (und das Recht, Waffen zu tragen).

Außerdem schlugen die Mitglieder des Kongresses vor, dass Diäterhöhungen erst nach einer Wahl gültig sein sollten. Ein guter Gedanke. Denn so hätte das Volk die Chance bekommen, zu entscheiden, ob die Abgeordneten das Lohnplus wirklich verdienen. Doch dieses Amendment verfehlte die nötige Mehrheit (drei Viertel aller Staaten). Danach geriet es weitgehend in Vergessenheit – bis ein 19-Jähriger nach einem Thema für eine Bachelorarbeit suchte.

Bei seinen Recherchen stieß Gregory Watson, Politologiestudent an der Universität von Austin, im Jahr 1982 auf den schlummernden Verfassungszusatz. In seiner Arbeit argumentierte er, dass das Amendment noch nicht obsolet sei, die Einzelstaaten müssten es nur ratifizieren. Seine Dozentin sah das anders und gab ihm ein „C“ (die zweitschlechteste Zensur auf der Notenskala).

Nun war Watsons Ehrgeiz geweckt: Er startete eine Kampagne, den uralten Vorschlag doch noch in die Verfassung zu bekommen, schrieb etliche Briefe an Senatoren und Abgeordnete. Anfangs mit wenig Erfolg, aber 1983 verabschiedete Maine den Zusatzartikel. Colorado folgte im Jahr darauf. 1985 stimmten sogar gleich fünf Bundesstaaten dafür. 1992 war schließlich die Quote von 35 Staaten erreicht und das 27th Amendment trat in Kraft.

Als Anerkennung für Watsons Triumph änderte seine frühere Professorin die Note für jene Arbeit, die all dies ausgelöst hatte. Statt einem C gab sie ihm die höchste mögliche Zensur: ein A.

Quelle:

Matt Largey, The Bad Grade That Changed The U.S. Constitution (https://www.npr.org/2017/05/05/526900818/the-bad-grade-that-changed-the-u-s-constitution)

https://www.britannica.com/topic/Twenty-seventh-Amendment